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Gedichte und Kurzgeschichten

    Es ist Zeit

„Flügel 1, 2, 3, 4 Index 10 … zu Kammrad – Kammrad … 60 Index 10 gleich 04 Index b … gleich 15 – Pentadezimalsystem.“ Er blinzelte die Windmühle an, die sich vor ihm auftürmte und ihn so klein erscheinen ließ. So klein. Und der Wind wehte so weich, dass ich nur die Augen schließen musste, um mich der Freiheit hinzugeben. Er streichelte mir eine Haarsträhne vor die Stirn – ganz sanft. Ich wunderte mich, wie solche Zartheit etwas so Mächtiges bewegen konnte. So schwer. Dann dachte ich an Großmutter. Wie Mutter sich sorgte. An ihr Lächeln und wie es ihr Gesicht liebevoll in Falten legte. Sie strahlte bis zum Schluss diese Unbeschwertheit aus, immerzu.
„Ist es nicht wie ein Wunder, Jannis?“ Sein Blick war auf seine Füße gerichtet, mit denen er seltsame Zeichen in die Erde malte: „… Grenzwert … x gegen … 4 Index x …“
„Jannis … was machst du da, hast du mich nicht gehört?“ Ich sah ihn fragend an, aber er beachtete mich nicht. Dann plötzlich sah er auf zu mir. „Unendlich minus ein wenig – Lara, es ist Zeit!“, lachte er und rannte einfach los ins Feld hinein, bis er zwischen Weizen- und Roggengräsern verschwand und der Wind mir nur noch den Klang seines herzhaften Lachens ins Gesicht blies. Ich strich mir meine Haarsträhne aus den Augen und blickte noch einmal zu den Flügeln der Windmühle hoch. „Ja“, dachte ich, „es ist Zeit“.


3.6.08 03:13


Und das Meer ist Meer

Hinter Tag und Horizont

lockt das Meer selbst Wellen,

Zeilen krümmt es stürmisch

zu getriebenen Gestalten.

 

Stündlich faltet noch dein Geist

seines Landes Berge.

Unter ihren Quellen

sinnt er seines ruhigen Sees –

 

Doch das Meer bleibt Meer, auch ohne dich.

 

.

10.11.07 22:24


Seifenblasen

 

in erleuchtete Farben tauchst du ein zwei

Seifenblasen zerspiegeln Quellen wahrlich

jetzt bebauchpinselst du solch bunte Kinder

siehst zerflossene Wellen nie verebben

 

.

10.11.07 22:30


Alles

 

Du bist ich,

und ich bin Gott.

Vielleicht.

 

.

10.11.07 22:42


Eine Antwort

 

ohne Ursprung

nicht ursprungslos

ohne Ende

nicht endlos

 

gleichzeitig zeitlos

 

so unerklärlich

wie erklärbar

und unverbunden

doch verbindungslos

eine Frage

 

.

10.11.07 22:45


Ein Gedanke 

Doch Blätter fallen abwärts
wie alles hier auf Erden.
Und wie die Träne, die dich, 
die Uns verließ, als einst ich,
als Wir im Laub versanken - 
unter all die Gefallenen.

.

10.11.07 22:48




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